Urbane Biodiversität
Sicherung und Förderung der Artenvielfalt und Biodiversität im urbanen Raum 

Laufzeit:

2022 - 2025

Finanzierung:

Im Rahmen des Sonderprogramms zur Stärkung der biologischen Vielfalt aus Landesmitteln, die der Landtag von Baden-Württemberg beschlossen hat.

Akteure:

Staatliche Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau Heidelberg
Diebsweg 2, 69123 Heidelberg
Website: http://www.lvg-heidelberg.de

Landesanstalt für Bienenkunde Universität Hohenheim
Erna-Hruschka-Weg 6, 70599 Stuttgart
Website: https://bienenkunde.uni-hohenheim.de

In Kooperation mit Kommunen und Partnern aus der Praxis

Thematik

Urbane Räume können sich im Vergleich zu landwirtschaftlich genutzten Flächen durch eine deutlich höhere Bestäuberdiversität auszeichnen. Aufgrund des immer größer werdenden Urbanisierungsgrades nehmen jedoch Grün- und Blühflächen in städtischen Gebieten stark ab. Damit gehen wichtige, bisher vernetzte Blühflächen und Habitatstrukturen für blütenbesuchende Insekten verloren. Insbesondere für Wildbienen können blühende Pflanzungen als Nahrungsquelle in der Stadt sehr nützlich sein.

Im vorangegangenen BioVa-Projekt wurden bestehende Pflanzungen in mehreren baden-württembergischen Kommunen auf ihre Bestäuberfreundlichkeit hin untersucht und sowohl im privaten als auch öffentlichen Raum das große Potential urbaner Flächen für Bestäuber aufgezeigt. Die Ergebnisse in Form von konkreten Pflanzplanungen sind im Handlungsleitfaden Bestäuberfreundliche Staudenpflanzungen im Siedlungsraum unter www.biova-leitfaden.de öffentlich zugänglich.

Die Umsetzung biodiversitätsfördernder Maßnahmen im größeren und damit vernetzbaren Stil scheitert jedoch oftmals an fundierten Kenntnissen zu Pflanzen, Strukturen sowie Umsetzungs- und Pflegekosten. Das vorliegende Projekt soll diese Wissenslücken schließen, gemeinsam mit den ausführenden Partnern Optimierungspotentiale erkennen, konkrete Handlungsempfehlungen erarbeiten und Innovationen anstoßen.

Projektziel:

Ziel ist es auf wissenschaftlicher Basis konkrete Empfehlungen zur Schaffung ökologisch wertvoller Blühflächen in der Stadt zu erarbeiten, die als ganzheitliche Lebensräume für Bestäuber geeignet sind. Die Flächen sollen nicht als Einzelmaßnahme im Raum stehen, sondern unter dem Gesichtspunkt der Vernetzung eine Biotopstruktur im städtischen Umfeld schaffen. 

Wie wir arbeiten

Die folgenden Schwerpunktthemen werden im Rahmen des Projektes bearbeitet:

Pflanzflächen im urbanen Raum mit integrierten Bodennisthabitaten

Optimierte Pflanzungen mit integrierten Nisthabitaten, die auf der Basis der Ergebnisse aus dem BioVa-Projekt von Praxispartnern neu angelegt werden, sollen evaluiert und bewertet werden. Auf diesen Pflanzungen sollen über die gesamte Vege-tationsperiode in einem regelmäßigen Rhythmus die Bestäuberinsekten erfasst und die Nisthabitate ausgewertet werden. 

Vernetzungsfunktion vertikaler Pflanzmodule 

Mit Blick auf den herrschenden Platzmangel in hochurbanen Gebieten stehen verstärkt vertikale Fassadenbegrünungen im Fokus der Planer. Wurden bisher dafür nahezu ausschließlich nicht blühende, grüne Wände gestaltet, sind in Heidelberg innovative Begrünungssysteme mit integrierten (Bienen)nisthabitaten geplant. Diese vertikalen Flächen sollen ab 2023 mehrmals im Jahr auf ihre Attraktivität für Bestäuber hin bonitiert und evaluiert werden.  Ein Schwerpunkt soll dabei auf der Vernetzungsfunktion vertikaler Blühsysteme liegen. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob Wildbienenpopulationen Fassadenbegrünungen als Trittsteine von der Fläche hin zu Dachbegrünungssystemen nutzen können.

Mulchverfahren und Nisthabitate

Aktuell entspricht es der gängigen Praxis, aus gärtnerischen Gründen den Boden von Staudenpflanzungen durch eine Mulchschicht abzudecken. Darum soll der Einfluss verschiedener, praxisüblicher Mulchverfahren auf die bodenlebende Fauna untersucht werden. Betrachtet werden sowohl mineralische als auch eine organische Variante. Des Weiteren sollen Versuche aus dem BioVa-Projekt zur Eignung verschiedener Substrate als Bodenniststrukturen fortgeführt werden. In diesem Arbeitspaket soll der Fokus nicht nur auf Wildbienen, sondern auch auf weiteren Insektengruppen sowie Bodenlebewesen liegen. 

Attraktivitätsvergleich zwischen heimischen Pflanzen und verwandten Kultursorten

Hierbei soll untersucht werden, ob Wildbienen und weitere Bestäuber die heimischen Pflanzenarten prinzipiell den Kulturpflanzen vorziehen. Dabei werden neben den autochthonen Arten auch handelsübliche Wildstauden, entsprechende Kultursorten und nahverwandte Hybriden betrachtet. Mit Blick auf eine geeignete Pflanzenwahl für Bestäuberinsekten sind entsprechende Untersuchungen besonders relevant. 

Konkurrenz zwischen unterschiedlichen Bestäubergruppen

Hierbei wird untersucht, ob ein Konkurrenzverhalten zwischen den verschiedenen Bestäubergruppen besteht und ob dieses durch bestimmte Faktoren beeinflusst werden kann. 
Ziel dieses Arbeitspaketes ist es, fundierte Argumentationshilfen, in oft auch öffentlich geführten Diskussionen, für alle Beteiligten zur Verfügung zu stellen.

Ökonomische Betrachtung

Rückmeldungen aus der Praxis zeigen, dass die Umsetzung biodiversitätsfördernder Maßnahmen, insbesondere auf kommunaler Ebene, oft an den vermuteten höheren Kosten scheitert. Am Beispiel verschiedener Pflanzflächen soll in diesem Arbeitspaket eine ökonomische Betrachtung der notwendigen Maßnahmen erfolgen. 

Ansprechpartner

Vera Joedecke, Staatliche Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau Heidelberg 
E-Mail: Vera.Joedecke@lvg.bwl.de , Telefon: 06221 7484-960  

Manuel Treder, Landesanstalt für Bienenkunde Universität Hohenheim
E-Mail: manuel.treder@uni-hohenheim.de, Telefon: 0711 459-24126

 

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